Speele liegt wenig unterhalb der großen Haarnadelkurve der Fulda in dem tief eingeschnittenen Tal zwischen hohen Berghängen. Schon auf Grund seines Namens wird ihm sicher zu Recht ein hohes Alter zugeschrieben.
Es erscheint auch bereits in einer Urkunde des Klosters Kaufungen aus der Zeit zwischen 880 und 889 als "Spielli" unter den Besitzungen, die der Graf Athelbert und sein Sohn Billung dem Kloster schenkten. Leider ist diese Urkunde des erst durch Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde nach 1008 gegründeten Klosters eine Fälschung! "Spele" wird dagegen bezeugt in einer Urkunde des Klosters Ahnaberg in Kassel von 1264.
Hier wird bekundet, dass Giso, Godefrid und Hermann, Gebrüder genannt von Kassel ("Cassele"), das Patronat der Kirche in Speele ("Spele") den Zehnten in dem sogenannten Quellhof ("Quelehob") und den Zehnten in Rimundehusen der Marienkirche in Ahnaberg ("Anenberc") übertragen haben, unbeschadet der Rechte der Herren.
Das Lehnbuch des Herzogs Otto von Braunschweig vermerkt im Jahre 1318: "Item sal in Spele potest redimere pro XVI marcis"; die Welfen-Herzöge können also den verliehenen Zehnten der Saline in Speele für 16 Mark zurückerwerben. Am 7. Januar 1329 verkauft der Mündener Bürger Heimbert luvenis an das Kloster Hilwartshausen für 25 Mark Mündener Gewichts und Feingehalts "seine Besitztümer in dem Ort und in der Feldflur Speele (spele), die auf vier Hufen (mansi) geschätzt werden, mit sämtlichen Rechten und Zubehör, wie Höfen, Äckern, bebauten und unbebauten, Wiesen, Wäldern, Weiden, Jährlichen Einkünften und Erträgen, was für welche auch immer zu diesen Beitztümern gehören...".
Im Verzeichnis der Ausgaben und Einnahmen auf dem Schloss Münden von 1397/98 heißt es: "IIII got. Sol. Vor safferan vnd engeuer kunczen von Spele"; hier lieferte also ein Speeler Gewürze an den Hof der Herzöge zu Münden.
Die Kirche St. Blasien inMünden kam in den Genuß frommer Stiftungen. Sie besaß den Zehnten zu Speele, der ihr von Hans von Mengershausen im 15. Jahrhundert geschenkt worden war, und verkaufte ihn 1871 an die Gemeinde Speele für 350 Taler.
Erstaunlich ist die Salzgewinnung in Speele im Mittelalter; sie hängt zusammen mit salzhaltigen Quellen an bzw. in der Fulda. Im Dreißigjährigen Krieg versuchte Christoph Hüpeden, Syndicus in Münden, mit Unterstützung des Landesherrn die eingegangene Saline zu neuem Wohlstand zu beleben.
1629 war ein besonders unglücklicher Termin und so blieb das große Projekt bis heute zum Scheitern verurteilt. Auch als der Mündener Stadtgeschichtsschreiber Wilhelm Lotze um 1870 eine Probe "von mehreren sehr starken Salzquellen" im Flussbett von "einem berühmten Chemiker" untersuchen ließ, fanden sich zwar "zum größten Teile Kochsalz, neben Glaubersalz, Chlorkalium und Gyps", aber ein Badeort ist Speele immer noch nicht !
Eine Besonderheit ist auch der alte Warteturm. Es ist zwar reichlich übertrieben, ihn den alten Sachsen oder gar Tacitus zuschreiben zu wollen, aber nett ist doch die Mär, dass Tilly, der sonst immer alles mitgehen ließ, hier einen Schatz der Schweden vergraben haben soll, nach dem übrigens schon sehr ernsthafte Suche angestellt wurde.
Sicherlich teilte Speele das traurige Schicksal so vieler verwüsteter und gepeinigter Dörfer im Dreißigjährigen- und im Siebenjährigen Krieg. Noch im 2. Weltkrieg wurde ein Drittel der Häuser durch Bomben zerstört, ein Nachteil der Nähe Kassels.
Dem Westfälischen Frieden ist ein Stein im Kirchturm zu Speele gewidmet, der die Dankbarkeit seiner Stifter für das Ende des fürchterlichen Krieges bezeugt; seine Inschrift endet: "Liber Gott, den edlen Fried erhalt. Behüt vor Krigesnoth!"
Vierzig Jahre später hatte das kleine Bauern- und Fischerdorf 119 Einwohner; es gab einen Schmied und eine Mühle, die aber gerade wieder vom Hochwasser zerstört war. Überhaupt hat Speele häufig unter Überschwemmungen gelitten: Alte Hochwassermarken zeigen ihr Ausmaß, besonders 1909, 1911, 1926 und nach der Zerstörung der Edertalspeere 1943. Um die Jahrhundertwende heißt es von Speele, dass es bereits mehr Arbeiter als Bauern besitzt. Der Bau der Eisenbahn brachte in das vorher so abgelegene Dorf Leben. Vor hundert Jahren entstand eine Papierfabrik, die auch die Mühle an der aufkaufte. Das Braunkohlenwerk in Holzhausen führte eine Drahtseilbahn zum Bahnhof Speele. Die Einwohnerzahlen stiegen jetzt kräftig an, im Gegensatz zu den ländlichen Gemeinden: 1821 besaß Speele erste 192 Einwohner, 1848 bereits 252, 1871 waren es 352, sicher unter dem Einfluss des Bahnbaues. Bis 1905 verdoppelte sich in Speele auf 670 Einwohner; 1939 sind es 736.
Speele ist heute eine Mischgemeinde mit Wohngemeindecharakter. Die Berufe haben sich geändert. Statt der Salzsieder, Fischer, Bauern, Leineweber, Schmiede und Müller gibt es heute Bedienstete der Bundesbahn und Industriearbeiter. Die Kirche in Speele gehörte anfangs zum Archidiakonat Dietmelle (Kirchditmold). Sie hatte bis zum Dreißigjährigen Krieg einen eigenen Pastor und betreute zeitweise auch noch Wahnhausen. Von 1642-1738 gehörten beide Dörfer zu Lutterberg, bis die Speeler ein eigenes Pfarrhaus und 1788 eine neue Kirche bauten; in diese übernahmen sie den Taufstein von 1613 und die Steintafel von 1650. Die Kirche ist in den Jahren 1952-1955 renoviert worden.